Vernetzung

Die beiden Extensivweiden (rot) sind nun über eine Trift (gelb) miteinander verbunden, der jetzt nicht mehr gezäunte Gemeindeweg (grün, im Vordergrund) ist damit Teil der Weidelandschaft.
Förster, Reiter, Gemeinde- und Behördenvertreter begutachten das z.B. in englischen Nationalparks schon lange etablierte, aber in Deutschland noch ungewohnte Konzept öffentliche Wege in Extensivweidelandschaften mit einzubeziehen. Unerwartete Zusammenkünfte mit Rindern sind für Naherholende ab jetzt an der Tagesordnung, führen aber bei Einsatz entsprechender Rassen und erfahrener Herden nur äußerst selten zu Spannungen. Das »unbegrenzte« Landschaftserlebnis hingegen wird ersten Berichten nach allgemein als sehr positiv bewertet.

Einer der bedeutsamsten Funktionsräume der Region ist das zu großen Teilen den Landesforsten gehörende, westlich der A 21 gelegene FFH-Gebiet Kiebitzholmer Moor (FFH DE 1927_301, mehr Opens external link in new windowhier).
Die hohe Schutzwürdigkeit des Gebietes liegt im engen Nebeneinander von Hochmoorlebensräumen, Feucht- und Sandheiden sowie ausgedehntem Feuchtgrünland. Die Vorkommen gleich mehrerer Arten sind von überregionaler Bedeutung.

Die heute noch vorhandenen Moor- und Heideflächen sind aber nur die wenigen verbliebenen Relikte der noch zum Ende des 19. Jahrhunderts vorhandenen großflächigen Heide- und Moorlandschaft.
Die Nutzungsintensivierungen, Aufforstungen und auch die ausgebaute Verkehrsinfrastruktur im Umfeld führten letztlich dazu, dass zwar im Schutzgebiet noch viele Arten der Moore und Heiden vorhanden sind, sich aber nicht mehr mit Beständen in der Umgebung austauschen konnten.
Dank eines FFH-Managementplanes bleibt das Gebiet auch zukünftig in seiner Wertigkeit erhalten und bildet damit eine wesentliche Kernfläche im Konzept der Holsteiner Lebensraumkorridore.

Projektmittel aus dem E+E-Vorhaben sind hier für kleinere, aber vielleicht umso wirksamere Vernetzungsmaßnahmen eingesetzt worden: Der mitten durch die beweideten Kernflächen des Gebietes führende Gemeindeweg ist bisher beidseitig gezäunt gewesen. Somit waren biologische Austauschprozesse – aber auch das Landschaftserleben – selbst innerhalb des Schutzgebietes nur eingeschränkt möglich.
Die Landesforsten haben dank der Projektmittel mehrere cattle-grids bauen und längere Zaunstrecken abbauen können. Zudem haben sie die Extensivweide im Kerngebiet des Kiebitzholmer Moores mit Hilfe einer über 500 Meter langen Trift mit den ebenfalls extensiv beweideten Kompensationsflächen an der A 21 (im Bild oben) verbinden können.

Zukünftig sollen beide großen Extensivweiden nur noch mit einer einzigen, großen und zwischen den Gebieten wechselnden Robustrinderherde gepflegt werden. Die dadurch geförderten Austauschprozesse zwischen Kerngebiet und Querungshilfen sind ebenfalls Gegenstand der wissenschaftlichen Begleituntersuchungen.