Naturwaldband

Die »Naturwaldbänder« (hellgrün umrandet; Gesamtgröße 17 Hektar) ziehen sich quer über forstliche Abteilungs- und Flurstücksgrenzen (rote Linien). Sie wurden nach einer bis 2013 befristeten Einrichtungsphase (besonders intensive Entnahmen fanden auf den roten Flächen statt) dauerhaft aus der Nutzung genommen. Mindestbreite der Bänder sind 40 m, die Lage orientiert sich am Standort der Grünbrücke und insbesondere an bereits jetzt ökologisch hochwertigen Bereichen (Ei: Alteichenbestände). (Luftbild DOP20, LVermA Geo SH 2011)
Das Naturwaldband bezieht die aus vor allem Buchen und Eichen bestehenden Altbaumbestände ein, die als durchgewachsene Knicks den ansonsten jungen Forst durchziehen und für xylobionte Arten und Höhlenbewohner eine sehr große Bedeutung haben. Diese Bäume bleiben (so wie alle Bäume des Naturwaldbandes) vollständig ungenutzt und werden eines Tages als Totholz in der Fläche verbleiben. (Foto: Dr. Aiko Huckauf)

Naturwaldbänder sind von der forstlichen Nutzung ausgenommene, mindestens 40 Meter breite Waldstreifen. Die Naturwaldbänder sollen durch einen vollständigen Nutzungsverzicht einerseits sicherstellen, dass mehr Altwald- und Nullnutzungsflächen im Wald entstehen. Andererseits sollen sie so ausgerichtet sein, dass bestehende Altholzinseln (oder Altholzstreifen, wie die in dieser nur wenige Jahrzehnte alten Aufforstung noch vorhandenen Knickreihen ) miteinander verbunden werden.

Das Besondere an den im Umfeld der Grünbrücke Kiebitzholm - mit Hilfe der Projektmittel - gesicherten Naturwaldbändern ist der räumliche Zuschnitt, der völlig ungeachtet von forstlichen Abteilungsgrenzen definiert wurde und sich einzig an naturschutzfachlichen Eignungen orientiert. Außerdem führt das Naturwaldband direkt zur Grünbrücke hin, sodass auch stenotope und ausbreitungsschwache Waldarten den Weg zur Querungshilfe und darüber hinweg finden werden.

Im Naturwaldband gilt dauerhaft und ohne jede Einschränkung, dass die Bewaldungs- und Bestandesdynamik unbeeinflusst, d.h. ohne forstliche Nutzung, stattfinden darf. Dabei sind bestehende ältere Laubbaumbestände integriert worden. Dazu wurden die nicht heimischen Baumarten wie Küstentanne (Abies grandis), Sitkafichte (Picea sitchensis), Douglasie (Pseudotsuga menziesii) und Fichte (Picea abies) zu großen Teilen aus dem Band entfernt. Ein Restanteil aus heimischer Kiefer ( Pinus sylvestris ) und Birke ( Betula pendula/pubescens ) wurde erhalten. Eine lineare Verbindung zu den anschließenden Moor- und Offenlandflächen wurde angestrebt.
Der dauerhafte Nutzungsverzicht und die von nun an natürliche Entwicklung sind sowohl vertraglich als auch durch Grundbucheintrag gesichert.

Das Naturwaldband ist nicht Teil der landesweiten Naturwaldkulisse der SHLF, da eventuell noch Handlungsbedarf zur Beseitigung von aufkommender Naturverjüngung von Küstentanne, Sitkafichte, Fichte und Douglasie der umgebenden Bestände notwendig werden könnte. Im Unterschied zu den Naturwäldern der Naturwaldkulisse kann hier also trotz vollständigem Nutzungsverzicht und in einvernehmlicher Abstimmung zwischen den Landesforsten als Eigentümerin und der Stiftung Naturschutz regulativ eingegriffen werden.

Die Maßnahmen wurden im Winter 2011/ 2012 umgesetzt. Gleichzeitig wurden mehrere Kunsthöhlen zum Fledermaus-Monitoring im Naturwaldband installiert, wo bereits 2012 eine überraschende Anzahl von Bechsteinfledermaus-Männchen ( Myotis bechsteinii ) zu finden war.

Die Entwicklung der Fläche bleibt ab jetzt zu beobachten; ein besonders interessanter Punkt der Beobachtung wird die Konkurrenz zwischen den heimischen Laubbaumarten und der Spätblühenden Traubenkirsche ( Prunus serotina ) sein. Die Spätblühende Traubenkirsche ist besonders westlich der Grünbrücke stark vertreten und beeinflusst möglicherweise wesentlich die weitere Waldentwicklung.

Weitere Berichte über das Naturwaldband:

04.02.2012 ln-online: Autobahn für Waldbewohner: "Urwald" links und rechts der Grünbrücke

04.02.2012 Segeberger Nachrichten: Autobahn für Waldbewohner: „Urwald“ links und rechts der Grünbrücke

06.02.2012 Basses Blatt: Ein Urwald für Käfer & Co

10.02.2012 Forst live: "Urwaldautobahn" entsteht in Schleswig-Holstein